Georges Méliés

vom Zauberkünstler zum Filmpionier

 

 

 

 

Französischer Zauberkünstler und Filmschaffender

1861 - 1938

Georges reist 1884 von Frankreich nach England, um die englische Sprache zu erlernen. In London wird er zu einem der eifrigsten Besucher bei unseren Freunden Maskelyne & Cooke in der Ägyptischen Halle, dabei infiziert er sich mit dem Zaubervirus.

 

Nach Paris zurückgekehrt, arbeitet Georges in der elterlichen Schuhfabrik als Chef des Maschinenparks. Er beginnt mit dem Nachbau von Zauberautomaten von Jean Eugène Robert-Houdin, von dem wir an anderer Stelle noch mehr erfahren werden. 1888 nutzt er die Gunst der Stunde und verkauft seine Anteile am Familienbetrieb, um das Théâtre Robert-Houdin zu erwerben.

 

Georges inszeniert Zaubervorstellungen, Pantomimen und Automaten-Wunder, jährlich entwickelt er 2-3 neue Großillusionen. Viele bekannte Künstler, wie beispielsweise Buatier de Kolta, den wir Ihnen in dieser Reihe auch noch gesondert vorstellen werden, treten bei ihm auf. Der wirtschaftliche Erfolg allerdings bleibt Georges' Unternehmungen größtenteils verwehrt.

 

1895 erlebt Georges eine der ersten Vorführungen des ‚Cinématographen‘ der Brüder Lumiére und er weiß sofort, dass diese bewegten Bilder, die der Apparat auf eine Leinwand wirft, alle seine Theaterinszenierungen in den Schatten stellen werden. 1896 eröffnet er sein Theater neu als Kino und dreht seinen ersten Film. 1897 eröffnet er ein Filmstudio, in dem bis 1913 noch über 500 Filme produziert werden.

 

Georges setzt jetzt filmisch um, was er bisher auf die Bühne brachte und nutzt die Möglichkeiten des neuen Mediums, um noch viel Unwahrscheinlicheres auf der Leinwand zu zeigen, als es ihm mit Bühnentricks jemals möglich war. Viele seiner Filme thematisieren die klassischen Illusionseffekte wie Erscheinen, Verschwinden, Verwandeln, Schweben etc.. Darüber hinaus kreiert Georges praktisch alle noch heute gängigen Filmgenres, wie Abenteuer, Liebe, Historie, Sience Fiction und natürlich auch Erotik. Dabei entwickelt er Filmtricks, wie beispielweise den Stopptrick, Doppelbelichtungen, Modellaufnahmen und noch vieles mehr.

 

Doch wie so oft bei genialen Köpfen ist auch bei Georges die ökonomische Ader schwach ausgeprägt und der Geschäftssinn umgekehrt proportional zur Imagination im künstlerischen Bereich entwickelt. Kopisten und Konkurrenten verursachen massive finanzielle Probleme. Diese führen 1913 zur Einstellung der Filmproduktion und 1923 schließlich in den Bankrott.

 

Verarmt und resigniert zieht sich Georges von der Welt zurück. Sein Werk und seine Person drohen in Vergessenheit zu geraten. Doch in den 1930er Jahren erfährt er noch zu Lebzeiten späte Anerkennung seitens der interessierten Öffentlichkeit. Jahrzehnte später findet diese Wiederentdeckung des Filmpioniers ihren Niederschlag in dem Roman „Die Entdeckung des Hugo Cabret“. Dessen Verfilmung 2011, die mit fünf Oscars ausgezeichnet wird, setzt einem großen Illusionisten mit dem eigenen Medium ein würdiges Denkmal.

 

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Quelle: Angel Idigoras Adventures of 51 magicians and a fakir