Fred Kaps

Niederländischer Zauberkünstler

1926-1980

 

 

 

 

 

Die meisten kleinen Jungen freuen sich normalerweise nicht unbedingt darauf, auf einem Friseurstuhl zu sitzen – mit einem Tuch um den Hals, während die Haarschneidemaschine im Nacken surrt und an den Haaren zieht, ohne dass es eine Möglichkeit zur Flucht gibt.


Der kleine Junge, von dem hier berichtet wird, wünscht sich jedoch, dass seine frisch geschnittenen Haare so schnell wie möglich wachsen, damit er wieder zum Friseur gehen kann.


Der Junge heißt Abraham Bongers, Spitzname Bram und der Name des Friseurs ist Piet Verschragen, ein Amateurzauberer, der seinen Kunden Zaubertricks vorführt. Bram ist davon fasziniert und möchte das auch können und der erste Trick, den er von Piet Verschragen lernt, ist der mit den drei kleinen Papierkügelchen, die sich immer wieder in der Hand vereinigen, auch wenn ständig eines davon weggenommen und in die Tasche gesteckt wird. Und der Lehrer trifft eine Vereinbarung mit seinem Schüler: Erst wenn Bram einen Trick perfekt beherrscht, wird er ihm einen neuen zeigen.


Und Bram übt und übt und ist kurz darauf schon wieder im Friseurladen. Das geht eine ganze Weile so, bis Piet ihn eines Tages misstrauisch fragt: „Kommst Du eigentlich wegen der Zaubertricks oder wegen meiner Tochter?“. Verlegen antwortet Bram: „Wegen beiden“. So legt Vater Piet das Fundament für eine großartige Zauberkünstler-Karriere und gleichzeitig den Grundstein für die spätere Ehe seiner Tochter Nel mit eben diesem künftigen Weltstar. 


Zunächst zeigt Bram seinen Klassenkameraden, was er beim Friseur gelernt hat, allerdings meist zum falschen Zeitpunkt. Sein Lehrer konfisziert seine Requisiten und Brams Vater zeigt sich von den Eskapden seines Sprößlings nicht sehr angetan „Mit so einem Blödsinn kann man keinen Cent verdienen.“ Doch der Vater irrt.


Mit dreizehn Jahren hat Bram bereits die meisten Zaubertechniken mit Münzen, Karten, Fingerhüten, Seilen und vielen anderen Dingen gemeistert. Gemeinsam mit Piet Verschragen gibt er sein Debut. Dabei zeigt er Kunststücke mit Bällen und einen Effekt, bei dem eine Glühbirne beim Berühren seiner Hand aufleuchtet. 


Und er lernt einen weiteren Lehrer kennen, Henk Vermeijden, den Inhaber eines Zauber-studios in Amsterdam, mit dem er nun seine Schulferien verbringt, um noch mehr über Zauberei zu lernen. Durch seine Erfolge überzeugt er schließlich auch seine skeptischen Eltern und beginnt die Karriere eines Zauberkünstlers, den viele für den besten aller Zeiten halten.
Auf dem Weg dahin macht Bram eine Metarmorphose durch: Aus dem Jungen Abraham Pieter Adrianus Bongers wird der Teenager-Zauberer Valdini, der bald darauf im Jahre 1950 als junger Zauberkünstler Mystica auf dem niederländischen Nationalkongress einen großen Erfolg erzielt. Was alle beeindruckt, ist nicht nur seine Persönlichkeit, die ihm bald weltweite Anerkennung einbringen wird, sondern auch die ausgesprochen kultivierte Ausstrahlung der technisch perfektionierten Darbietung.


Noch im gleichen Jahr gewinnt Mystica beim den FISM-Weltmeisterschaften in Barcelona den Grand Prix. Und fortan nennt er sich Fred Kaps – der Name, mit dem er noch zwei weitere Weltmeistertitel gewinnen wird. 


Und Fred Kaps wird weltberühmt, er tritt in unzähligen Fernsehshows auf, bezaubert das Fürstenpaars von Monaco und fasziniert das Publikum im Lido von Paris.


Fred Kaps beherrscht alle Bereiche der Zauberkunst: große Illusionen, Mani-pulationen und sogar Bauchreden. Viele Kunststücke werden mit seinem Namen verbunden. In ganz besonderer Weise gilt das für seine Version des lang fließenden Salzes von Roy Benson – das große Finale seiner Show.


Fred Kaps schweigt während der gesamten Vorführung, im Hintergrund läuft Musik. Er holt ein Salzfässchen hervor und versucht, das Salz in seine geschlossene Faust zu schütteln. Ungeduldig  öffnet er den Deckel und lässt dann das Salz verschwinden. Er zeigt seine leeren Hände, dann rieselt plötzlich das Salz aus seiner geschlossenen Faust hervor.
Er nimmt den Streuer und versucht, das rieselnde Salz aufzufangen, doch dieser läuft über. Offenbar weiß er nicht, was er mit der Unmenge Salz anfangen soll. Die Musik neigt sich dem Ende zu und verstummt schließlich, aber das Salz läuft weiter. Fred Kaps sieht zum Bandleader hinüber und gibt Zeichen, damit dieser weiterspielt. Und das Salz rieselt. Hastig stopft Kaps etwas Salz in seine Hosentasche, der Marsch endet, aber das Salz rieselt weiter. Kaps gestikuliert, damit die Band weiterspielt. Die Musik spielt erneut, und auch das Salz rinnt weiterhin. Schließlich fällt der Vorhang – heraus schaut eine Faust, aus der ein Salzstrom rinnt. Stille – dann brandet tosender Applaus auf. 

 

  • Fred Kaps hat bis heute (2026) als einziger Zauberkünstler dreimal den FISM-Grand Prix errungen.
  • Er war gleichermaßen perfekt am Tisch wie auch auf der Bühne.
  • Die Art, wie er dabei die Blicke der Zu­schauer zu lenken wusste (Misdirection), war besonders beeindruckend.
  • Fred Kaps gilt bis heute für viele Zau­ber­künstler als Vorbild. 


Fred Kaps starb im Alter von 55 Jahren.
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Jahre später erzählte Fred Kaps‘ Witwe Nelly, dass er drei Jahre an der Schlussszene mit dem Salz gearbeitet hatte.
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Quellen: 
Angel Idigoras:  Adventures of 51 Magicians and a Fakir
Zauber-Lexikon, Zauber-Pedia, wikipedia